Ich bin fünf Jahre alt. Ich wache aus einem Traum auf. In mir die Frage:
Etwa fünf Jahre später. Als zehnjähriges, sich von ihren Eltern verlassen fühlendes Mädchen, mache ich mich auf in den Wald. Dort ist es, wo meine tägliche Praxis, von der ich nach wie vor ein großer Fan bin, ihren Anfang findet. Zwischen den Bäumen sitzend, dem Wind lauschend, mich von der Natur begehren lassend – wissend: Ich bin Teil von all dem.
Als 19-jährige, die letzten vier Jahre im Internat verbringend, weiß ich nur eins: Irgendwo muss es besser sein als hier. Dieses „Hier“ war mein Körper, waren meine Gedanken, meine Gefühle. Waren auch meine Familie, von der ich nicht gesehen wurde, und von der ich mich zutiefst verwundet fühlte. Andere Kinder, in deren Gegenwart ich unsicher war, Angst hatte und gemobbt wurde. Systeme, in die ich mich nicht hineinzwingen konnte.
Noch bevor ich mein Abizeugnis in den Händen hielt, begab ich mich auf die Suche nach dem Ort „Irgendwo“. Abifeiern, Konventionen, Ausbildungen waren mir egal. Hatte ich doch schon als 13-jährige jeden Job angenommen, um sechs Jahre später um Jamaika wandern zu können. Ich suchte und suchte. Im Australischen Busch, unter Wasser im Großen Barriereriff, zwischen Tigern (einer kreuzte im Dschungel Thailands tatsächlich meinen Weg) und Elefanten. Auf Dampfern in Laos – 1996 gab es dort noch kaum Infrastruktur – und zwischen Tempeln in Myanmar.
Erinnerung aus Myanmar als 21-Jährige: Ich sitze in einer Höhle. Um mich herum Buddhastatuen, die im Licht der Öllampen dunkelgolden leuchten. Die Höhlenbewohnerin, eine buddhistische Nonne, lädt mich ein, zu bleiben. Ihr Rat für mich: Mir ein Visa zu holen und mit ihr ein Jahr lang in dieser Höhle den Buddhismus, die Lehre vom Leiden und vom Ende des Leidens, zutiefst zu durchdringen. Ich spüre, wie mein ganzer Körper will. Ich bebe. Tief in mir weiß ich: Das, genau das, will ich! Mir fehlt der Mut. Ein paar Tage später reise ich ab.
Offensichtlich hat das Leben andere Pläne. Auf meinem eigenen Hausboot in Holland werfe ich mich hinein. Ins Leben. Und komme fast nicht mehr heraus. Viele Menschen, mit denen ich in dieser Zeit zu tun hatte, sind schon tot. Es war zu viel von dieser Art zu Leben, die nur mit Betäubung zu ertragen ist.
Die Arbeit mit Obdachlosen und Drogenabhängigen während meines Sozialpädagogikstudiums, erfüllt mich einerseits, ist aber auch andererseits nicht auszuhalten. Gut, dass ich die Bücher über den Buddhismus habe. Nach zwei Jahren gehe ich wieder nach Asien.
Indien. Ich schlafe ein Jahr draußen unter den Sternen, auf einer dünnen Strohmatte, in einem Krisenzentrum für Frauen und Kinder. Hier unterstütze ich, wo ich kann. Morgens beginnt der Tag um vier Uhr mit Wasser holen, Feuerholz sammeln, Essen kochen und Chanten. Die Leiterin des Zentrums, Saraswati Devi, hört meinen inneren Ruf und unterstützt mich darin, nach Sri Lanka in ein Laienkloster zu gehen.
Jetzt hält mich nichts mehr auf. Ich will es wissen. Ich möchte wissen, aus welcher Substanz ich bin, was trägt, wenn alles andere wegfällt, wie sich Schmerz wirklich anfühlt und wie ich meine Aufmerksamkeit so ausrichten kann, dass dieser da sein darf, mich aber nicht mehr umreißt.
Im Nilambe Meditationszentrum bin ich in einer intensiven Schüler-Lehrer-Beziehung. Stehe jeden Morgen um vier Uhr auf und meditiere bis zehn Uhr abends. Irgendwann meditiere ich auch im Schlaf. Es ist wundervoll. Hier verbringe ich insgesamt ein Jahr in Stille. Rede nur, während der morgendlichen Yogaeinheit, die ich unterrichte (während meiner Zeit in Indien hatte ich eine Yoga-Ausbildung gemacht).
Nilambe. Der Platz meines Herzens. Oben auf dem Berg stehend, umgeben von Wildnis, sehe ich zum ersten Mal Farben und Dreidimensionalität. Ich bin da. Ich bin zu Hause.
Um diesen Platz immer wieder auch zu verlieren. In mir. Ich wusste nicht, dass es kein linearer Weg ist. Ich wusste nicht, dass Verzweiflung, inneres Ringen, Angst, Panik und Schmerz dazugehören. Ich dachte, etwas wäre falsch an mir. Ich würde es nie schaffen.
So unendlich dankbar bin ich meiner Lehrerin Jaya Ashmore, die ich später in Bodhgaya, dem Ort von Buddhas Erwachen, im Kloster auf einem Retreat kennenlernte. In Gegenwart ihrer Liebe und Sanftheit durfte ich sein. Dort begleiteten mich auch Christopher Titmus und Martin Aylward – noch heute wunderbare Lehrer von mir.
2004. Ich sehe meinen Weg sehr klar vor mir. Rasiere mir die Haare ab, kaufe mir ein Nonnengewand. Ich will den Noblen Achtfachen Pfad gehen, den Lehren des Buddhas folgen. Ich weiß, was zu tun ist. „Ich gehe ins Kloster und werde Nonne.“ Dachte ich.
Ende des gleichen Jahres wird meine Tochter Leela Karuna geboren. Karuna bedeutet Mitgefühl. Das brauche ich. Vor allem auch für mich selber. Der Weg ist schwer.
Das ist heute mein Mantra. Und es hilft mir durch alle Lebenssituationen hindurch. Ich bin zuhause. Mit drei Kindern. Mit einem wundervollen Mann. Mit wechselnden Kuschelpartnern und einer besten Freundin. Vor allem zu Hause in der Gewissheit, dass ich Teil bin, von all dem, was mich umgibt. Zuhause in dem Raum des Unendlichen Bewusstseins. Zuhause im Leben, auf das ich mich zu 100 % verlassen kann und das so ungewiss ist wie nichts anders. Darauf kann ich mich verlassen.
Und das heisst nicht, dass ich nicht immer wieder obdachlos sein kann. Meinen Weg verlieren werde. Denn genau das ist auch Teil des Weges. Ja, es ist okay, meinen Weg nicht immer gleich zu sehen. Ich bin einverstanden damit, dass es schwer ist und weh tut. Genau das ist es, was mir diese Lehren und diese buddhistische Praxis aufzeigen: Unzufriedenheit, Verwirrtheit und Schmerz gehören untrennbar zum Leben dazu.
Es geht nur mit Enge! So wie der Kokon einer Raupe zu eng wird, und sie sich dann in die Transformation begibt. Es geht nur mit dieser Enge. So wie auch Geburt, so wie der Atem, der Puls, das Zwerchfell. Expansion UND Kontraktion.
Ohne die vielen psychotherapeutischen Begleitungen und die Ausbildung in Orgodynamik® und Somatic Experiencing® (und ohne meine Kinder) würde ich vielleicht immer noch auf dem Kissen sitzen und hohe Einssein-Erfahrungen machen. Und im täglichen Leben in Beziehung mit meinen Nächsten dissoziieren.
Ich möchte keine Erfahrung missen. Sie alle sind Teil von meinem sich täglich vertiefendem Reifungsprozess.
Ich bin zutiefst dankbar, die Weisheitslehren ins Leben tragen zu dürfen. Zu anderen Menschen hin.
Die buddhistischen Lehren sind vielfältig. Der Buddhismus ist eine lebendige Tradition, die wir so für uns nutzen dürfen, dass sie unserem Erwachen dienlich ist.
Ein Erwachen zu Frieden, mehr Freundlichkeit und Mitgefühl auf dieser Erde.
Mögen alle Lebenwesen überall in Sicherheit und Geborgenheit leben.
Möge Frieden sein auf dieser Erde.
Diese Meditation hilft dir, Stress abzubauen, innere Ruhe zu finden und dich wieder geerdet, zentriert und verbunden zu fühlen.
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