Es gibt Lebewesen, die kein Nervensystem haben, kein Gehirn, keine Sprache – und doch treffen sie erstaunlich klare Entscheidungen.
Schleimpilze gehören zu diesen Wesen. Genauer gesagt sind sie weder Pflanze noch Tier noch klassischer Pilz, sondern etwas Eigenes. Wenn sie auf Nahrungssuche sind, breiten sie sich aus, tasten ihre Umgebung ab und reagieren auf das, was ihnen wirklich dient. Finden sie Nährstoffe, bewegen sie sich zielgerichtet darauf zu. Finden sie keine, ziehen sie sich zurück.
Sie verschwenden keine Energie auf das, was sie nicht nährt.
Sie klammern sich nicht an Attrappen von Nahrung.
Sie bleiben nicht aus Gewohnheit dort, wo nichts zu holen ist.
Wow!!
In Experimenten hat man beobachtet, dass Schleimpilze sogar den kürzesten und effizientesten Weg zu einer echten Nahrungsquelle finden können. Sie lernen aus Erfahrung. Sie unterscheiden zwischen dem, was nährt, und dem, was nur so aussieht. Und wenn sich die Bedingungen ändern, ändern sie ihr Verhalten. Still und ohne Drama.
Wenn ich das so lese, dann frage ich mich, warum es uns Menschen so schwer fällt, uns auf das auszurichten, was wirklich nährt?
Wir greifen immer wieder nach Dingen, von denen wir längst wissen, dass sie uns keine dauerhafte Erfüllung schenken. Anerkennung, Konsum, Ablenkung, Kontrolle. Für einen Moment fühlt es sich vielleicht besser an – und kurz darauf sind wir wieder unruhig, leer oder auf der Suche nach dem nächsten Halt. Wir investieren Zeit, Kraft und Herz in etwas, das uns nicht wirklich nährt. Und oft merken wir es erst, wenn wir erschöpft sind.
Im Buddhismus nennt man diesen Mechanismus Anhaften – das reflexhafte Zuflucht-Nehmen zu Vergänglichem. Wir suchen Sicherheit dort, wo sie nicht zu finden ist. Nicht, weil wir „falsch“ sind (wir machen das alle), sondern weil wir den Kontakt zu dem verloren haben, was uns wirklich trägt.
In diesem Zusammenhang können wir uns immer wieder fragen:
Was nährt – und was erschöpft?
Was trägt – und was lenkt nur ab?
Wo finde ich Halt, der nicht brüchig ist?
Umso unterstützender finde ich die Praxis des Zuflucht-Nehmens.
Die drei Juwelen – Buddha, Dharma und Sangha – sind im Buddhismus genau das: eine Einladung, unsere Aufmerksamkeit neu auszurichten. Weg von dem, was uns immer wieder leer zurücklässt, hin zu dem, was Klarheit, Mitgefühl und innere Freiheit wachsen lässt.
Das Wort Buddha kommt von budh – erwachen, wach werden.
Der Buddha ist kein Gott und kein fernes Ideal. Er steht für die Möglichkeit, die in jedem von uns (jaaa!! Wirklich! Auch in dir!! ❤️) angelegt ist: die Fähigkeit, die Dinge klar zu sehen, so wie sie sind. Simpel – braucht aber Praxis, um aus unserem gewohnten Sehen, das von wollen und nicht-wollen und Illusion geprägt ist aus zu steigen.
Zuflucht zum Buddha zu nehmen heißt zu vertrauen, dass wir unsere Muster, unser Leiden (das ist oft sehr subtil, als ob hier etwas noch besser sein könnte…) verstanden und verwandelt werden kann. Wenn wir uns immer wieder auf diesen Moment einlassen, roh und unverfälscht, sehen wir, dass wir nicht festgelegt sind auf unsere Muster, unsere Reaktivität oder unsere Geschichte.
Zuflucht zum Buddha zu nehmen bedeutet immer wieder innezuhalten und zu fragen:
Was wäre jetzt eine wache, liebevolle Antwort?
Es ist eine Einladung, unsere eigene Buddhanatur zu nähren – diese stille Intelligenz, die weiß, wann etwas nährt und wann nicht.
Dharma wird oft als die Lehre des Buddha übersetzt. Doch Dharma ist mehr als Worte oder Texte. Dharma ist ein Weg – und zugleich die Wirklichkeit selbst, so wie sie sich zeigt, wenn wir genau hinsehen.
Zuflucht zum Dharma zu nehmen heißt, sich auf eine Praxis einzulassen, die uns hilft, Leiden zu verstehen und zu verwandeln. Es bedeutet, die Lehre nicht nur zu studieren, sondern sie zu leben: im Atem, im Körper, in Beziehungen, inmitten dieser Welt.
Wenn wir Zuflucht zum Dharma nehmen, verpflichten wir uns, immer wieder zu prüfen:
Hilft mir diese Praxis wirklich, freier zu werden?
Unterstützt sie Mitgefühl – für mich selbst und für andere?
Der Dharma ist wie echte Nahrung. Er nährt nicht durch Versprechen, sondern durch Erfahrung. Und wie bei den Schleimpilzen zeigt sich seine Wahrheit daran, ob er uns wirklich stärkt.
Das dritte Juwel ist die Sangha – die Gemeinschaft der Übenden.
Oft wird sie als die Gemeinschaft von Mönchen und Nonnen verstanden, doch ist Sangha jede Form von Gemeinschaft, die das Erwachen unterstützt.
Zuflucht zur Sangha zu nehmen heißt anzuerkennen, dass wir diesen Weg nicht allein gehen können. Dass wir einander brauchen – gerade dann, wenn unsere eigene Klarheit schwach ist, wenn wir zweifeln oder müde sind.
Die Sangha erinnert uns an unsere Praxis, wenn wir sie vergessen. Sie hält uns, wenn wir uns verlieren. Und sie zeigt uns, dass Erwachen nichts Abgehobenes ist, sondern etwas zutiefst Menschliches – mit all unseren Unvollkommenheiten.
Wenn wir tiefer schauen, kann Sangha noch weiter werden: die Erde, die uns trägt; die Bäume, die uns Sauerstoff schenken; all die Bedingungen, die unser Leben möglich machen. In diesem Sinn ist Sangha überall.
Zuflucht zur Sangha zu nehmen heißt, uns als Teil eines größeren Ganzen zu erfahren. Und Verantwortung zu übernehmen für die Qualität unserer Beziehungen – denn wir sind die Sangha.
Die drei Juwelen sind keine abstrakten Ideale. Sie sind Orientierungspunkte.
Sie helfen uns zu unterscheiden zwischen dem, was uns kurzfristig beruhigt, und dem, was uns langfristig befreit.
Vielleicht ist Zuflucht nehmen genau das: nicht länger Energie in das zu investieren, was uns leer zurücklässt – sondern uns dem zuzuwenden, was wirklich nährt.
Wie die Schleimpilze.
Still. Ehrlich. Und dem Leben zugewandt.
Wie Ram Dass sagte: We all walk each other home.
Du bist nicht allein.
Mit Liebe, Nirmala.
Diese Meditation hilft dir, Stress abzubauen, innere Ruhe zu finden und dich wieder geerdet, zentriert und verbunden zu fühlen.
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